Blasrohre

Blasrohr mit Köcher und Mundstück

Blasrohre bestehen im Grundsatz aus drei Komponenten. Dem Rohr, dem Mundstück und dem Endstück. Viele Blasrohre haben dann noch einen Pfeil(Darts)-Halter (Köcher) am Rohr angebracht und besitzen ein Griffstück zwischen Mund- und Endstück. Das Endstück wird auch als Mündungsschutz bezeichnet.

Aufgrund ihres einfachen Aufbaus können Blasrohre auch in Eigenregie hergestellt werden. Rohre mit entsprechendem Durchmesser sind einfach zu beschaffen (Baumarkt, …) und Mundstücke können ebenfalls einfach selbst hergestellt oder zugekauft werden. Dies verleiht dem Blasrohrschiessen eine handwerkliche Komponente. Im Internet sind dazu einige Bauanleitungen zu finden.

Das Mundstück hat die Aufgabe dem Schützen es einfach zu machen den notwendigen Druck in das Rohr zu bringen ohne das zu viel Luft dabei “verloren” geht. Die Ausprägung des Mundstücks (anatomisch oder rund,…) ist dabei variabel und jeder Schütze hat da seine eigene Vorliebe.

Das Endstück bzw. der Mündungsschutz hat die Aufgabe das Rohr vor Beschädigung zu schützen wenn es mal auf der Vorderseite abgestellt wird. Das Endstück/Der Mündungsschutz stellt keine Zielhilfe dar ! Wenn der Mündungsschutz als Zielhilfe geeignet ist (z.B. durch entsprechende Ausformungen), dann kann ist dieser bei offiziellen Verbandsturnieren abzunehmen da dies nicht zulässig ist.

Kaliber des Blasrohrs¶

Das Kaliber ist der pfeilführende Durchmesser des Rohres (Innendurchmesser des Blasrohrs). Dies stellt gleichzeitig den Außendurchmesser des Pfeiles (Darts) dar. Gebräuchliche Kaliber für Blasrohre sind:

  • Kaliber .357 (0,357 Zoll = 9,0678 mm, ca. 9mm) [z.B. Blasrohre von Cold Steel]
  • Kaliber .40 (0,4 Zoll = 10,16 mm, ca.10mm) [z.B. Blasrohre von Tornardo]
  • Kaliber .50 (0,5 Zoll = 12,7 mm, ca.13mm)
  • Kaliber .625 (0,625 Zoll = 15,875 mm, ca. 16mm) [z.B. Blasrohre von Cold Steel oder Tornado]

Die Wahl des Kalibers hängt vom Schützen und dem Einsatzzweck ab. Grundsätzlich können mit einem größeren Kaliber schwerere Blasrohrpfeile (auch Darts genannt) verschossen werden. Was zu einer höheren Durchschlagskraft führt. Allerdings wird bei einem größeren Kaliber auch mehr Luft zur Beschleunigung benötigt, was einen Schützen ans Limit seiner Lungenkapazität bringt. Daher sind Kaliber größer 16mm (Kaliber .625) äußerst selten. Ein guter Kompromiss stellt das Kaliber .40 oder 0.50 dar. Das 0.40 Kaliber dürfte da am häufigsten genutzte Kaliber sein da es eine gute Mischung aus Pfeilgeschwindigkeit, benötigtes Lungenvolumen und Flugeigenschaften (stark bestimmt durch das Pfeilgewicht) darstellt.

Denn ein Punkt darf man auch nicht vergessen. Je mehr Luft ein Schütze aufwenden muss, umso schwerer ist es den Schussablauf “ruhig” zu halten.

Hinweis:
Unter den “Selberbauten” von Blasrohren werden als Kaliber 0.40 auch Blasrohre verstanden mit einem Innendurchmesser von genau 10mm. Das ist aber etwas weniger als 0.40 Zoll (entspricht 10,16mm). Wenn man nun fertige Blasrohrpfeile für das Kaliber 0.40 kauft, dann passen diese höchstwahrscheinlich nicht in das Blasrohr mit einem Innendurchmesser von genau 10mm weil diese auf einem Durchmesser von 10,16mm ausgelegt sind. Hier bitte genau nachmessen und informieren !

Kleiner Ausflug zum Thema Lungenvolumen und Blasrohrkaliber

Lungenvolumen berechnen

Mit dieser einfachen Formel kann man das eigene Lungenvolumen grob berechnen:

Körpergröße (in m) x 2,5 = Lungenvolumen (in Liter)

Beispielrechnung:
1,80m  x 2,5 = 4,5l (
Lungenvolumen)

Ein Kaliber 10mm Blasrohr mit der Länge von 122cm hat ein Rohrvolumen von knapp 96ccm was ca. 0,1 Liter Luft entspricht. Ein 16mm Blasrohr mit 122cm Länge hat ein Volumen von ca. 245ccm (0,25 Liter).

In einem Atemzug atmet ein Erwachsener etwa 0,5 Liter ein bzw. aus (Atemzugvolumen). Hier sieht man das selbst ein Kaliber 16mm Blasrohr mit 122cm Länge nur etwa die Hälfte des Luftvolumens benötigt das man normal ohne Anstrengung ein- oder ausatmet. Und wenn man nun berücksichtigt das ein Mensch eigentlich mehr als 0,5L ausblasen kann (wenn er sich anstrengt), dann wird klar das selbst 16mm für die meisten Erwachsenen machbar ist. So können (zusätzlich zu den genannten 0,5L) bis zu 1,2 Liter beim Mann und 0,7 Liter bei einer Frau ausgeatmet werden (exspiratorisches Reservevolumen (ERV)). Natürlich muss man hierbei beachten das ein Blasrohrschütze möglichst schnell und stossartig die Luft “ausatmen” will. Was den eigentlichen Wert hier etwas verringert. Aber es wird klar das für gesunde Erwachsene die Wahl des Kalibers weniger von der eigenen Lunge, und viel mehr von den Vorlieben im Blasrohrsport abhängt.

Die Blasrohrlänge¶

Die Blasrohrlänge hat einen nicht unwesentlich Einfluss. Mit größer werdender Länge erhöht sich die Reichweite und Zielgenauigkeit des Blasrohres. Gleichzeitig darf das Rohr nicht zu lang werden da sonst die notwendige Luft zur Beschleunigung durch den Blasrohrschützen nicht mehr aufgebracht werden kann. Außerdem erzeugt ein zu lang gewähltes Blasrohr beim Abschuss einen zu großen Staudruck vor dem Pfeil. dieser Staudruck wirkt sich negativ auf die Pfeilgeschwidigkeit aus.

Folgende Blasrohrlängen stellen einen optimalen Bereich hinsichtlich Reichweite und Genauigkeit dar.

  • Kal. 40 = ca. 0,7m bis 1,40m
  • Kal. 50 = ca. 1,0m bis 1,70m
  • Kal. 625 = ca. 1,40m bis 2,10m

Darüber hinaus sollte man die Blasrohrklassen der Verbände im Blick haben wenn man beabsichtigt an Wettkämpfen teilzunehmen. Bei dem BSVD sind das

  • Klasse A max. 220cm
  • Klasse B max. 160cm
  • Klasse C max. 122cm
  • Klasse International max. 122cm

Bei dem BSSB

  • Klasse 1: max. 120cm
  • Klasse 2: max. 160cm

Wenn man also International schießen will sollte man ein Blasrohr mit weniger asl 122cm Länge verwenden. Wenn man bei den BSSB / DSB schießen will dann kanbn das Blasrohr max. 160cm lang sein. Beim BSVD sind maximal 220cm zulässig.

Jeder schütze muss die für sich und seinen Einsatzzweck passende Kombination aus Kaliber (höhere Durchschlagskraft) und Rohrlänge (Reichweite und Genauigkeit) finden. Schützen die öfters auf längere Distanzen schießen werden eher zu einem größeren Kaliber und längerem rohr greifen als Schützen die überwiegend in der Halle auf 5 bis 15m schießen.

Für den Anfang sind Blasrohre mit Kaliber 0.40 und einer Länge bis zu 120cm eine erste Empfehlung. Sie bieten einen guten Kompromiss aus Treffergenauigkeit, Gewicht, Kosten und benötigtem Lungenvolumen / Handhabbarkeit für alle Einsteiger und auch Turnierschützen welche hauptsächlich Indoor unterwegs sind.

Die Bauweise und das Material der Blasrohre¶

Blasrohre gibt es in unterschiedlichen Bauvarianten. Einteilig, zweiteilig und manchmal sogar als dreiteilige Rohre. Bei Mehrteiligen Blasrohren sollte auf die Fluchtgenauigkeit der Verbindung geschaut werden. Insbesondere wenn dies eine Steckverbindung mit Plastikanteil ist, dann ist die Pass- und Fluchtgenauigkeit (wie gerade ist da Rohr im zusammengesteckten Zustand) nicht immer gewährleistet. Hier sind Blasrohre aus einem Stück deutlich im Vorteil.

Auf der anderen Seite sind einteilige Blasrohre natürlich komplizierter beim Thema Transport. Insbesondere wenn man ein Blasrohr verwendet das länger als 120cm ist. Wenn man auf einem, Zweirad unterwegs ist, dann könnte das durchaus ein Problem geben. aber selbst in so manchem Auto sind Gegenstände mit einer derartigen Länge nicht immer leicht zu transportieren.

Für den Bau von Blasrohren kommen unterschiedliche Materialien zum Einsatz. Das Rohr selbst ist oft aus Carbon, Aluminium(-legierung), Kunststoff oder sogar Glas. Viel Rohre sind dann noch mal von einer Ummantelung umgeben die aus Holz, Carbon, Leder , Bambus oder sonst einem Material besteht. Diese “Zweikomponentenbauweise” liegt aktuell im Trend. Das Rohr aus Glas oder einer Aluminiumlegierung für einen präzisen Schuss und eine schöne Ummantelung für die Optik, Korrosionsschutz und das Anfassgefühl.

Preiswertes reines Aluminium hat gegenüber einer Aluminiumlegierung den nachteil das es leicht verformbar ist. Wenn ein Blasrohr daraus besteht muss man aufpassen das es nicht verbiegt. Auch bei Kunststoffrohren sollte man sich über den Kunststoff und dessen Eigenheiten informieren.

Das Mundstück und die Griffteile¶

Blasrohr mit Mundstück
Blasrohr mit Mundstück

Die Ummantelungen die die Griffe ausbilden sind auch höchst verschieden. Von einfachen Kunststoff, überweichen Schaumstoff bis hin zu kunstvollen Lederumwicklungen findet man alles. Ein Blasrohr hat üblicherweise zwei Ummantelungen die als Griffe dienen. Den einen Griff nahe dem Mundstück um das Blasrohr gegen den Mund zu drücken bzw. dort zu fixieren, und den anderen Griff weiter in der Mitte des Rohres zum Ausrichten und Stabilisieren des Rohres. Die Position des zweiten Griffs nahe der Mitte des Rohres sollte dabei variabel einstellbar sein. Die Art das Blasrohr hier zu halten ist vom Schützen abhängig. Bei dem einen Schützen ist es besser diesen Griff näher am Mundstück zu haben, bei einem anderen ist es weiter weg.

Bei dem Mundstück gibt es diverse Ausprägungsvarianten. Rund, eckig oder flach. Hier solltem an darauf achten das sich das Mundstück gut anfühlt. Ist als auch eine recht individuelle Sache des Schützen. Hier ist man im Vorteil wenn man das Blasrohr in einem Fachgeschäft kauft. Denn hier kann man das austesten. Darüber hinaus gibt es Mundstücke für Zungenbläser und Backenbläser. Zungenbläser verschließen das Rohr mit der Zunge, bauen den Druck auf und ziehen dann die Zunge zurück um die Luft in das Rohr zu drücken. Die Backenbläser verschließen den Mund mit Hilfe der Zunge (Zungenspitze zwischen den Lippen) und das Mundstück umschließt den ganzen Mund. Dann baut er den Druck auf und zieht ebenfalls die Zunge zurück um die Luft durch die Lippen hindurch in das Rohr zu drücken. Damit das optimal funktioniert gibt es entsprechende Mundstücke für diese Blastechniken.

Kleiner Tipp zu dem Thema Fachgeschäft: Schaut in eurer Umgebung nach Fachgeschäften für den Bogensport. Nicht selten haben diese auch ein Blasrohrsortiment.

Anbauteile¶

Anbauteile für das Blasrohr gibt es eigentlich gar nicht so viel. Zumindest nicht was vo nden Vebänden her für Wettbewerbe noch zulässig ist.

Es gibt Anbauteile wir Visiere, Griffstücke die vom Rohr “abstehen” etc. Das sind aber alles Dinge die zwar privat problemlos genutzt werden können, aber bei Verbandswettbewerben Problem machen. Das einzige zusätzliche sinnvolle Anbauteil ist der Köcher. Dieser sorgt dafür das die Darts / Blasrohrpfeile immer am Blasrohr selbst verfügbar sind und nicht extra, z.B. in einer Tasche, mitgeführt werden müssen. Diese Anbauköcher sind im Prinzip immer nahezu gleich aufgebaut. Jedoch gibt es einige qualitative Unterschiede. Einfach vorher im Internet informieren bzw. vor Ort beim Händler mal austesten wie leicht die Pfeile dort zu entnehmen sind bzw. wie leicht s auch ist diese in den Köcherhalterung zu stecken.

Grundsätzlich kann so ein Anbauteil auch kaputt gehen. Informiere dich daher vor dem Kauf ob es für das Blasrohr auch entsprechend Ersatzteile für die Anbauten gibt. Diese Tipp gilt übrigends auch für das Mund- und Endstück.

Blasrohrzubehör

Umhängeköcher mit Blasrohrpfeil / Dart
Umhängeköcher mit Blasrohrpfeil / Dart

Als Blasrohrzubehör gibt es nicht ganz so viel. Es gibt z.B. externe Köcher die man umhängt oder am Gürtel festmacht. Ab und an findet man vereinzelt Stoffhüllen in denen man das Blasrohr verstaune kann. Die meisten Zubehörteile für Blasrohre sind aber Eigenbauten. So z.B. die Reinigungsschnüre für Blasrohre oder die Blasrohrständer.

Rechtliches zum Thema Blasrohr¶

Das Blasrohr unterliegen in Deutschland nicht dem Waffengesetz. Es gilt, wie ein Bogen auch, als ein Sportgerät. Daher ist der Erwerb, Eigenbau, führen etc. relativ problemlos möglich. Verboten ist jedoch die Jagd mit Blasrohren.

Solltet ihr mit dem Blasrohr ins Ausland reisen wollen, informiert euch über die dortige Gesetzeslage. In einigen Ländern unterliegen Blasrohre gesetzlichen Beschränkungen oder sind sogar komplett verboten (z.B. England)

Links

Auf folgende Händler und Anbieter von Blasrohren bin ich gestossen. Ein hier aufgeführter Link ist keine automatische Empfehlung von mir. Es soll euch lediglich Hiflestellung bieten für eure eigenen Recherchen.